„Wir mögen kein Hochdeutsch“

Falls Sie sich fragen, was an dieser Aussage nicht stimmen soll, stehen die Chancen gut, dass Sie aus der Deutschschweiz kommen. Und wahrscheinlich kommen Ihnen nicht die Fragen in den Sinn, die sich mir stellen:

  • Mögen Sie kein Schweizer Standarddeutsch?
  • Oder meinen Sie Schweizer Hochdeutsch?
  • Vielleicht denken Sie an Schweizer Schriftdeutsch?
  • Oder das Deutsch des großen Kantons?

Möglicherweise zuckt nun eine Ihrer Augenbrauen etwas irritiert, auch wenn meine Fragen berechtigt sind– oder ich bin gleich mit der Tür ins Haus gefallen. Das liegt daran, dass Kommunikation in Deutschland eher gerade heraus und direkt abläuft. Andeutungen, die zwischen den Zeilen zu finden sein könnten, sind nicht üblich und falls doch, meist eher ironisch oder sarkastisch gemeint. Das deutsche Deutsch kommt fast immer ohne Floskeln und Euphemismen direkt zum Punkt. Den in der Deutschschweiz üblichen Höflichkeitskonjunktiv finden wir übertrieben, nervig und viel zu zeitaufwendig. Was Sie als zu direkt, unfreundlich und arrogant empfinden, nennen wir Sprachgewandtheit, Selbstsicherheit, Direktheit und Schnelligkeit. Da haben wir sie, die Mentalitätsunterschiede.

Noch mehr Fragen: Wissen Sie, dass wir in Deutschland unseren Dialekt bzw. Regiolekt sprechen und als verbindendes Element alle (mehr oder weniger gut) Hochdeutsch? Und dass wir auch ohne nachzudenken problemlos zwischen beiden hin- und herspringen? Oder wir die lokale Sprachvariation eher umgangssprachlich in der Freizeit, in der Beiz oder in (familiären) Alltagsgesprächen etc. verwenden? Und Hochdeutsch gang und gebe ist?

Dialekt ist Privatsache, alles andere Hochdeutsch

Ist Ihnen klar, dass korrektes Hochdeutsch, also Hochdeutsch in Deutschland, auch immer einen sozialen Aspekt beinhaltet und vermittelt? Wer Hochdeutsch spricht, sagt etwas über den eigenen Bildungsgrad, die soziale Zugehörigkeit und manchmal sogar über das Einkommen aus? Wir lernen nämlich von klein auf, wer kein Hochdeutsch sprechen kann, ist ungebildet, kommt aus der tiefsten Provinz und lebt in Armut. Dialekte und Regiolekte gelten oftmals als Sprache der „Unterschicht“. (Wobei ich persönlich eine ganz andere Meinung dazu habe.)

Deutschschweizer Deutsch und deutsches Deutsch

Schweizerdeutsch, Schweizer Standarddeutsch, Schweizer Schriftdeutsch und Schweizer Hochdeutsch haben einen anderen Wortschatz, eine andere Wortbildung, einen anderen Satzbau, eine andere Syntax, eine andere Orthographie, oft auch eine andere Aussprache als das Deutsch Ihrer nördlichen Nachbarn. Und dazu kommen noch unzählige Helvetismen und sogar Bedeutungen.

Beispiel? Beispiel!

Der deutsche Kamin ist in der Deutschschweiz das Cheminée, der Kamin der deutsche Schornstein. 

Ihr Estrich ist unser Boden, bzw. der auf das Fundament aufgetragene, begradigende Untergrund für den abschließenden Bodenbelag, in der Deutschschweiz ist es der Dachboden. 

Ihre offizielle Bezeichnung lautet Führerausweis, die umgangssprachliche Fahrausweis und die deutsche Führerschein.

Unsere Paprika ist Ihre Peperoni, unsere Peperoni Ihre Peperoncini.

Ein Spargel ist der Spargel, zwei sind die Spargel, in der Deutschschweiz ist es ein Spargel und zwei Spargeln.

Ihr Unterbruch ist meine Unterbrechung, die Renovation eine Renovierung, der Beschrieb eine Beschreibung. 

Gemüse wird nicht gerüstet, sondern geschält und geschnitten. Einkäufe werden nicht versorgt und Betten nicht angezogen. 

Wenn Sie wischen, fegen wir und wenn wir wischen, fegen Sie!

Wörter wie parkieren und grillieren sind für Sie Alltag, auf uns wirken sie schwülstig.

Wir kennen kein Glace oder Glacé, aber Glacéhandschuhe.

Unsere Weste ist Ihr Gilet, unser Rock Ihr Jupe.

Ihre Hühnerhaut ist meine Gänsehaut und was Sie verhühnern, das verlege ich.

Was ich Pi mal Daumen mache und aus dem Handgelenk schüttele, mischen Sie zu Handgelenk mal Pi. 

Sie chlönen, wir klönen.
„Die Schweiz mögen alle!“

Davon können Sie sich gleich verabschieden, denn die meisten Deutschen kennen die Schweiz, wenn überhaupt, lediglich aus dem Urlaub – und mögen, kennen und verstehen sind zwei Paar Schuhe: Bleiben Sie in Ihrem vertrauten, gewohnten Sprachduktus, bewegen Sie sich in Ihrem Dialektkontinuum. Das heißt in den übrigen Regionen, in denen Alemannisch gesprochen wird, werden Sie verstanden, nördlich von Stuttgart wird es eng. Und Sie vergessen, dass auch in Baden-Württemberg, im bayrischen Schwaben, in Vorarlberg, in Teilen des Elsass und in Liechtenstein vorrangig die deutsche Standardsprache gesprochen wird – und das, was Sie als charmant empfinden, kann uns durchaus grob, urwüchsig und unverständlich erscheinen. Eine leichte dialektale Färbung mag charmant sein, alles andere ist unprofessionell. Und dann gibt es noch die eben erwähnten sozialen Aspekte und kulturellen Unterschiede.

„Sonst macht es ein:e andere:r!“

Das mag Ihnen alles nun komisch vorkommen, schließlich sind Sie es gewohnt, Schweizerdeutsch als Umgangs-, Verkehrs- und als Fachsprache zu verwenden – und das über alle Gesellschaftsschichten hinweg und zu jeder Zeit. Oder ist es so, wie es mir ein Deutschschweizer erzählte: „Ich habe mein bestes Hochdeutsch gesprochen und was bekomme ich zu hören? Sie sind aus der Schweiz! Ich spreche nie wieder Deutsch!“

Das können Sie so handhaben – außer Sie möchten verstanden werden und Kund:innen aus Deutschland haben. Denn Texte und Werbung, die in der Deutschschweiz funktionieren und ankommen, können in Deutschland auf Stirnrunzeln und Unverständnis stoßen. Nein, es reicht nicht, hier und dort ein Wort auszutauschen und jedes ss in ein ß umzuwandeln. Dazu gehört mehr. Oder wie Sie dem sagen: Dazu braucht es mehr. Selbst Ihr bestes Hochdeutsch bringt Ihnen nicht viel – es fällt schnell auf, dass Sie aus der Deutschschweiz kommen. (Andersrum übrigens genau so, weshalb ich die Finger davon lasse, Texte zu helvetisieren.)

Ihnen entgehen etwa 84 Millionen Menschen, die Sie zu Ihren Kund:innen machen könnten – statt sich auf ca. 5 Millionen Menschen, die Schweizerdeutsch denken und sprechen, zu beschränken. Wahrscheinlich haben Sie Recht: Wenn Sie es nicht machen, macht es halt eine andere oder ein anderer!

Enthelvetisierung: Deutschschweizer Texte für den deutschen Markt

Oder Sie gehen es an – mit mir: Ich bringe Klarheit und Eloquenz. Und die passenden Worte. Ohne Helvetismen, dafür mit den richtigen Worten und Wörtern, der angemessenen Wortwahl, dem korrekten Satzbau, der adäquaten Syntax und den Duden kenne ich auch fast auswendig. Alles Details, derer sich Schweizer:innen oft gar nicht bewusst sind.

Mir fällt auf, wenn Sie nach der Anrede kein Komma bzw. gar kein Satzzeichen setzen und groß weiterschreiben, Guillemets statt Anführungszeichen verwenden, Zahlen mit einem Punkt statt mit einem Komma trennen, die Währung vor statt nach den Betrag notieren und Randen schreiben. Ich habe nämlich ein Ohr dafür und ein Auge darauf.

Warum ich das kann? Ich habe schon lange einen der Ihren an meiner Seite. Dazu kommen meine Expertise und Erfahrung als Texterin, Werbetexterin und Konzeptionstexterin für Print und Web, online und offline. Und ich spreche Mittelhochdeutsch. Warum genau das in der Deutschschweiz ein Vorteil ist, das erzähle ich Ihnen gerne persönlich.


Alles. Aber nie egal.

Falls Sie nun denken, die im großen Kanton spinnen! Dialekt ist Alltag im Büro, im Restaurant, im Theater, im Parlament, im Verein, in der Familie und mit Freunden sowieso
 
– Pustekuchen, der Dialekt der französischen Schweiz, das Patois (das als Zeichen des niedrigen sozialen Status galt) ist fast verschwunden, „bon français“ ist Alltag. In der italienischen Schweiz ist der Dialekt Familie, Freunden und Bekannten vorbehalten, sonst ist das Italienisch aus Florenz die Alltagssprache.
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